keyboard_arrow_rightVon Darmstadt nach New York und Mailand: Marius Jung über Industriedesign, künstliche Intelligenz und seinen Weg in die Welt der großen Modehäuser
Für sein kreatives Talent eingestellt zu werden und an Kollektionen für eines der bekanntesten Modelabels der Welt mitzuwirken: Was für viele ein Traum ist, ist für Marius Jung Realität. Als Head of Concept and AI Design bei Moncler in Mailand entwirft er Konzepte für Modekollektionen, Kampagnen und Projekte. Dabei setzt er auf künstliche Intelligenz, eine Technologie, mit der er sich schon beschäftigt hat, lange, bevor sie in aller Munde war. Für ihn ist KI kein einfaches Werkzeug unter vielen, sondern ein stets präsenter Assistent, der ihm hilft, Ideen in kürzester Zeit zu visualisieren. Warum die künstliche Intelligenz dabei aber niemals die menschliche Kreativität selbst ersetzen kann, erzählt Marius im Podcast.
Sein Wissen über KI teilt er auch in Workshops mit Kolleg:innen. Er hilft Berufseinsteiger:innen sowie erfahrenen Designer:innen, Berührungsängste abzubauen und zeigt, wie jede:r die neue Technologie sinnvoll in den eigenen Arbeitsalltag integrieren kann. Für die Zukunft kann Marius sich auch vorstellen, seine Expertise im Designbereich als Dozent an die nächste Generation weiterzugeben. Zunächst aber hat er andere Pläne: Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme steht sein Wechsel zum Modehaus Prada unmittelbar bevor, wo er das Sportsegment ausbauen wird.
Marius‘ Weg in die italienische Modewelt begann an der Hochschule Darmstadt, wo er sowohl im Bachelor als auch im Master Industriedesign studiert hat. Dass er dort studieren konnte, hat ihm viel bedeutet, wie er im Gespräch betont. Der Weg zum Studienplatz war mit einigen Herausforderungen verbunden, doch in einem anspruchsvollen Aufnahmetest zeigte er den Professor:innen schließlich, dass sein kreatives Talent genau das war, wonach sie suchten. In Darmstadt wurde ihm ein breites Grundverständnis des Designs vermittelt, von der praktischen Arbeit in der Werkstatt bis hin zu den philosophischen Ideen, die hinter gutem Produktdesign stehen. Besonders schätzt er rückblickend, dass er sich hier in ganz unterschiedlichen Bereichen ausprobieren konnte.
Ergänzt wurde das Studium durch einen Auslandsaufenthalt an der Kyushu University in Japan. Diese Zeit hat Marius‘ Horizont auf eine Weise erweitert, die bei ihm bis heute nachwirkt: Er entdeckte, dass Design es ihm ermöglicht, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren, unabhängig von Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden. Durch den Aufenthalt in Japan wuchs er so nicht nur persönlich, sondern erkannte auch, dass er sich beruflich international ausrichten wollte.
Dieser Wunsch rückte noch während seiner Masterarbeit in greifbare Nähe. Marius hatte bereits während des Studiums begonnen, für den Sportartikelhersteller Adidas zu arbeiten, welcher ihm nun eine Festanstellung im Anschluss an sein Studium anbot. Als Teil eines Innovationsteams in New York entwickelte er Schuhe für Spitzensportler:innen, die bei Marathonläufen und Fußballspielen zum Einsatz kamen. Auch bei Moncler konnte er wieder im Sportsegment arbeiten: So berichtet Marius im Podcast von einem Projekt im Kontext der olympischen Winterspiele, das ihn besonders bewegt hat und bei dem KI eine zentrale Rolle spielte. Mit dem bevorstehenden Wechsel zum Modehaus Prada schließt sich für ihn ein Kreis: Sport und Mode, Kreativität und Technologie, globale Erfahrung und handwerkliches Können – alles, was bisher auf seinem Weg wichtig war, kommt dort zusammen.
Was Marius antreibt, ist die Grundüberzeugung, dass man die eigenen Prozesse stets evaluieren und weiterentwickeln sollte. Dabei betont er, dass es heutzutage nicht mehr wichtig ist, sein gesamtes Berufsleben in einem Unternehmen zu verbringen. Verschiedene Kontexte, verschiedene Kulturen, verschiedene Industrien: Für ihn ist das der Weg, wie er beruflich am besten wachsen konnte. Welchen Rat er deshalb für Berufseinsteiger:innen hat, verrät er am Ende des Gesprächs.
Hört rein und erfahrt die Antworten auf folgende Fragen: Wie wird KI zum Sparring-Partner, die den Arbeitsalltag bereichert, und was sollten Berufseinsteiger:innen mitbringen, damit das gelingt? Wie hat Marius die olympischen Winterspiele in Italien als Designer von Sportbekleidung erlebt? Inwiefern unterscheidet sich die Arbeitskultur in Japan, den USA und Italien, und wie hat sie Marius in seiner Arbeit als Designer, aber auch privat beeinflusst?
Viel Spaß beim Hören!
Moderiert wird diese Episode von: Sophia Overbeck
Das Gespräch fand statt im Mai 2026.
Unser heutiger Gast: Marius Jung, Head of Concept and AI Design
Zentrale Zitate dieser Episode
»Wenn du der künstlichen Intelligenz keine Vision gibst, bekommst du auch keine zurück. Du musst wirklich der Creative Director dahinter sein. Es ist wie eine neue Sprache lernen. Wie kommuniziere ich mit künstlicher Intelligenz? Und wenn man diese Sprache beherrscht, hat man sehr viel Kontrolle.«
»Das Studium hat für mich ein Grundverständnis der Gestaltung geschaffen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit hatten, in unterschiedliche Bereiche einzutauchen, ob Modellbauprojekte in der Werkstatt, Software oder einfach der Dialog über gestalterische Grundlagen. Das Gesamtpaket hat für mich damals sehr, sehr gut gepasst.«
»Die Möglichkeit, in anderen Ländern und Kulturkreisen zu arbeiten, hat mir wirklich enorm viel gegeben: eine enorme Flexibilität, ein enormes Verständnis für andere Kulturen und vor allem für andere Herangehensweisen. Das hat mich sehr, sehr viel holistischer gemacht und feinfühliger in der Kommunikation von Konzepten und Ideen.«
Anmerkung der Redaktion: Zitate werden zum Teil zur besseren Lesbarkeit oder zum Verständnis des Zusammenhangs leicht angepasst, der Inhalt wird jedoch nicht verändert.
Aufgaben im Job: Entwurf und Konzeption von Modekollektionen, saisonalen Kampagnen und Sonderprojekten, digitales Testen von Produkten in ihrem späteren Nutzungskontext, Evaluation und Integration neuer KI-Tools und Technologien, Workshops zur Einführung von KI-Tools für Designteams, Leitung und kreative Begleitung gestalterischer Teams
Aufgaben im Job: Entwicklung von Schuhen für Spitzensportler:innen (u.a. Profifußballer:innen und Marathonläufer:innen) in einem Innovationsteam in New York, wissenschaftlich geprägtes Arbeiten an Zukunftsthemen, Testen neuer Werkzeuge, Technologien und Produktkonzepte
Fünf Minuten Yoga am Morgen. Jeden Tag. Daraus wurden Routinen, Forschungsfragen und schließlich ein eigenes Business. Dr. Eliane Engels hat an der Leuphana Universität über Freude am Sport promoviert und […]
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